Aktuelle Umfrage: Apotheker:innen sehen mehr Hitzebeschwerden und wachsende Medikationsrisiken

Aktuelle Umfrage
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Eine aktuelle Umfrage unter rund 1.000 Apotheker:innen und PTAs zeigt, was in den lokalen Apotheken durch die Hitzewellen ankommt: mehr Kreislaufprobleme und Schwindel, mehr Fragen zu Medikamenten. Die befragten Apotheken warnen zudem deutlich vor den Auswirkungen der Hitze auf temperaturempfindliche Arzneimittel.

Aposcope, die Online-Marktforschungsplattform im Apotheken- und Pharmamarkt, hat im Auftrag der Apotheken Umschau rund 1.000 Apotheker:innen und PTAs zum Thema „Hitze und ihre Auswirkungen auf die Apotheke vor Ort“ befragt.

Das Ergebnis: 66 Prozent der Befragten beobachten in den vergangenen drei Jahren eine Zunahme hitzebedingter Beschwerden, am häufigsten Herz-Kreislauf-Probleme und Schwindel. Beim Thema Medikation sind die Apothekenteams besonders alarmiert: Gut 90 Prozent stufen das Risiko für medikationsbedingte Probleme bei älteren Menschen in der Sommerhitze als hoch ein, 85 Prozent sehen das auch bei Herz-Kreislauf-Patient:innen.

Hitze kann Wirkung von Medikamenten verändern

Hohe Temperaturen beeinflussen zudem, wie der Körper Wirkstoffe aufnimmt und verstoffwechselt. Ein Beispiel: Bei Hitze erweitern sich die Hautgefäße; zusammen mit blutdrucksenkenden Medikamenten kann Blut in Arme und Beine „versacken“, vor allem bei zu wenig Flüssigkeit – bis hin zur Synkope (Ohnmacht).

Entsprechend groß ist der Beratungsbedarf in den Apotheken: Rund 74 Prozent der Befragten nennen Aufklärung zu Hitzerisiken und Verhaltensregeln (z. B. Trinkmenge, Sonnenschutz) an erster Stelle, gefolgt von Hinweisen zur sicheren Lagerung zu Hause, Beratung zu Elektrolyt- und Rehydrationslösungen und Informationen zu verstärkten Nebenwirkungen bei Hitze.

Auch Lagerung und Transport rücken in den Fokus. Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) erklärt im Gespräch mit der Apotheken Umschau: „Medikamente sind chemische Verbindungen. Diese sind bei höheren Temperaturen weniger stabil. Eine Faustregel der Chemie besagt: Eine Reaktion läuft doppelt so schnell ab, wenn man die Temperatur um zehn Grad erhöht. Hat also ein Arzneistoff die Neigung, sich mit der Zeit zu zersetzen, tut er dies bei Hitze sehr viel rascher.“ Für Patient:innen heißt das: Medikamente bei 15 bis 25 Grad aufbewahren, kühlpflichtige Arzneien in den Kühlschrank und den Weg nach Hause nicht unterschätzen.

Versandhandel: Apotheken sehen hier das größte Temperaturrisiko

Knapp 70 Prozent der Befragten halten den Versandhandel für den riskantesten Transportweg für temperaturempfindliche Arzneimittel. In Deutschland gelten strenge Vorgaben für Lagerung und Transport, an die sich auch Versender aus dem EU-Ausland halten müssen. Wie streng kontrolliert wird, unterscheidet sich jedoch. Deutsche Behörden dürfen keine Unternehmen im Ausland kontrollieren. Und das niederländische Apothekenrecht zum Beispiel schreibt nicht die gleichen Sicherheitsstandards vor wie das deutsche. In den Niederlanden gibt es nur anlassbezogene Kontrollen, es fehlen zudem verpflichtende Regelungen, wie und durch wen im Versandhandel die Qualität des Arzneimittels gesichert wird.

Wer Medikamente vor Ort abholt, profitiert nach Einschätzung der Befragten von fachgerechter Lagerung, sofortiger Versorgung bei akuten Beschwerden und dem direkten Gespräch, in dem Anzeichen von Hitzeschäden auffallen. Wer nicht selbst kommen kann, für den ist der Botendienst die schnellste und sicherste Alternative.

Knapp 88 Prozent der Befragten erwarten, dass in den kommenden drei Jahren mehr Menschen mit hitzebedingten Beschwerden in die Apotheke kommen – die Rolle der Apotheken in der Grundversorgung dürfte damit weiter wachsen.